Das Pendel schlägt zurück – eCarTec zeigt Licht und Schatten der Elektromobilität

Vor wenigen Tagen ging die eCarTec, die Leitmesse für Elektromobilität, zu Ende. Zum vierten Mal traf sich die Branche in München. Auch wenn die Messe mit offiziell über 500 Ausstellern noch viel zu bieten hatte, so war nicht zu übersehen, dass die Branche in einem Konsolidierungsprozess steckt. Waren die vergangenen Jahre von Euphorie geprägt, die auch so manche schräge Idee an die Oberfläche gespült hat, so schlägt das Pendel gerade zurück: bei einigen wenigen Ausstellern und zahlreichen Medienvertretern wird schon zum Abgesang auf die Elektromobilität angestimmt.

Wir halten es da nach unserem Gang über die Messe, die wir in diesem Jahr nicht als Aussteller, sondern als Gast besucht haben, lieber mit Paul Watzlawick, der einst bemerkte: „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.“ Alternativ, immer wieder gern gehört auf Bundesliga-Pressekonferenzen: „Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie.“

Nach dem Hype ist vor dem Comeback

Spass beiseite … der Hype ist definitiv vorbei, aber das muss ja keineswegs ein schlechtes Zeichen sein. Ernüchterung kann ja auch eine Grundlage für einen realistischen und erfolgsversprechenden Neustart sein. Dabei sollte vor allem dem Ziel der Bundesregierung „1 Million in 2020“ nicht zu viel Bedeutung beigemessen werden. Auch die lauter werdenden Rufe nach staatlichen Subventionen für den Kauf eines E-Autos haben nicht die Beachtung verdient, die sie bekommen.

alternativer Stand eCarTec 2012

Ein eher ungewöhnliches Standkonzept auf der eCarTec

Schauen wir auf das Wesentliche, und das sind und bleiben die handfesten Entwicklungen und Innovationen, die eine Messe wie die eCarTec zusammenbringt.

Nach wie vor ist die Antriebstechnik nicht das größte Problem. Vor allem die geringe Reichweite, der wegen niedriger Stückzahlen hohe Preis oder die fehlende Infrastruktur schrecken Autokäufer ab. Für alles was über den Stadt- und Nahverkehr hinausgeht, reicht der reine Elektroantrieb aktuell noch nicht aus. Nach Lithium-Polymer entstehen die zukünftigen Akkus auf Lithium-Schwefel-Basis mit Reichweiten bis zu 300 Kilometern – und somit einen gewaltigen Schritt in Richtung Alltagstauglichkeit.

Keine kalten Füße bekommen

Ebenfalls interessant sind die Lösungen für das „Heizungs-Problem“, denn bisher machten e-Autos bei laufender Heizung rasch schlapp. Als mögliche Lösung präsentierte Webasto seine Hochvoltheizung. Diese ist eingebunden in den Kühlkreislauf und wird durch Hochvoltstecker kontaktiert und führen somit elektrische Energie zu. Ein Wärmetauscher nutzt dann die Energie um die warme Luft zu erzeugen, die durch den Kühlkreislauf in die Fahrerkabine transportiert wird.

Combined Charging System – für uns das Highlight

Interessantes gab es auch zum Thema Ladetechnik: das Combined Charging System. Das universelle Ladesystem vereint ein-phasiges Laden mit Wechselstrom, schnelles Wechselstromladen mit Drehstromanschluss, Gleichstromladen für Zuhause oder ultraschnelles Gleichstromladen an Stromtankstellen mit nur einer einzigen Schnittstelle im Fahrzeug. Das System, das unter anderem am Stand von ABB zu sehen war, versetzt Anwender in die Lage, an allen Ladestationen unabhängig von Stromquelle und angebotener Ladegeschwindigkeit zu laden – theoretisch mit bis zu 100KW. Dieser neue Standard kann ein wichtiger Wegbereiter für Elektromobilität werden und wird in absehbarer Zeit in einem spannenden Projekt seine Praxistauglichkeit unter Beweis stellen.

combined charging system

ABB stellt das Combined Charging System vor

Die Vorzeichen sind …

weiterhin gut. Aber es gibt noch viel zu tun, keine Frage. Die jüngsten Fortschritte im Bereich der Ladetechnologien sind für uns als Hersteller von Solarladestationen natürlich besonders wichtig und stimmen uns positiv. Aber auch die Anbieter von Ladestationen haben noch eine Menge Arbeit vor sich – vor allem was das Design sowie die Integration von Informations- und Telekommunikationstechnik betrifft. Gerade in diesen Disziplinen zeigte sich die eCarTec nicht von ihrer stärksten Seite. Dennoch sind wir sicher, dass sich auch hier in Zukunft noch einiges tun wird, und nach der aktuellen Schwarzmalerei wird sicherlich auch wieder ein realistischeres Bild für die Zukunft der Elektromobilität gezeichnet.

* Bitte füllen Sie die mit einem Stern markierten Felder aus.
Ihre e-Mail Adresse wird niemals veröffentlicht.

XHTML: erlaubte Tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>