Licht und Schatten auf der Intersolar

Die Solarbranche ist tot – es lebe die Solarbranche … mit diesem Gefühl verlies so mancher Besucher und wohl auch Aussteller die Intersolar 2012 in München. Die Schlagzeilen der vergangenen Monate haben ihre Spuren hinterlassen, keine Frage, und so ist die Branche sichtbar bemüht, sich selbst sowie den Zulieferern und Kunden Mut zu machen.

Nach dem Boom der letzten Jahre waren eine Verschnaufpause und die Konsolidierung des Marktes überfällig, so viel ist klar. Nur könnten diese nun auch wegen zusätzlich geplanter Förderkürzungen und einem damit einhergehenden Preisdruck wesentlich länger und intensiver ausfallen als erhofft. Zwar waren Fukshima und der deutsche  Atomausstieg in den Messehallen noch immer ein Thema, aber vor allem der steigende Kostendruck und die bevorstehenden Senkungen der Einspeisevergütung dominierten die Gespräche auf der Intersolar.

Über 80.000 Besucher wurden von den Veranstaltern erwartet. Nach den drei Messetagen lag die offizielle Zahl bei rund 66.000. Ebenso verpasst wurde auch die erhoffte Zahl der Aussteller: Statt den anvisierten 2.000 waren nun 1.909 Unternehmen auf der Messe präsent. Und dennoch sind diese Zahlen für eine vermeintlich krisengeschüttelte Industrie durchaus respektabel!

Alte und neue Klassiker

Zu den klassischen Kernthemen der Intersolar zählen seit jeher die Bereich der PV-Produktionstechnik sowie Solarmodule und Netzintegration. Auch die Bereiche Solarthermie und Stromspeicher sind seit geraumer Zeit auf der Intersolar vertreten und zeigten teils große, teils kleine Innovationen. So auch in 2012.

Für etwas Schwung sollte in diesem Jahr deshalb die neue Sonderschau PV und E-Mobility sorgen. Hier konnten sich die  Besucher in über die Kombinationen von PV-Carports, Ladestationen und neuesten Elektrofahrzeugen, welche die Intersolar auf dem Freigelände der Messe München präsentierte, informieren.

Eines der Exponate auf der Intersolar

Eines der Exponate auf der Intersolar

Und hier wurde auch eine Schwäche der Branche mehr als deutlich: der (aktuelle) Stand der Technik ist nur einer von mehreren Faktoren, die über den Erfolg und Misserfolg von Produkten und Industrien entscheiden. So zeigten die  Aussteller technisch funktionsfähige Solarladestationen für Elektroautos und eBikes, aber der Funke wollte nicht wirklich überspringen. Einer der möglichen Gründe: Keine der auf der Intersolar vorgestellten Lösungen begeisterte die Menschen. Den Lösungen, die  vor allem als zusätzliche Fläche zur Stromerzeugung mit optionaler Ladesäule präsentiert wurde, fehlt ein Gesamtkonzept, welches den Systemwechsel hin zu einer emissionsfreien Elektromobilität vorantreibt und prägen könnte.  Entsprechend ist es auch nicht erstaunlich, dass man Innovationen leider vergeblich sucht.

Kreativität, bitte

Sowohl das Design und die ganzheitliche Integration der benötigten Technologien in ein neues Konzept als auch die Bedienbarkeit und die Produktionstechnologien haben den Charme vergangener Tage. Für den Aufbruch in ein neues Zeitalter der Mobilität, der auch weitreichende Auswirkungen auf die Gestaltung und Infrastruktur der Städte haben wird, können und dürfen solche Lösungen nicht die Antwort einer taumelnden Branche sein.

Ein weiterer Solarcarport auf der Intersolar

Die ganz große Begeisterung blieb aus

Fest steht, dass die Solarcarports in dieser Form sicherlich nicht die erhofften Heilsbringer sein werden. Weder für die kränkelnde PV-Branche noch für die Elektromobilität. Hier muss dringend ein Umdenken einsetzen. Solartechnologie und Elektromobilität müssen zu einem festen Bestandteil des allgemeinen Lifestyle werden, wenn sie sich wirklich dauerhaft und wirtschaftliche bewähren wollen. Dazu aber müssen die Produkte und Lösungen mehr den Wünschen und Bedürfnissen der Konsumenten entsprechen – und diese wollen, mehr denn je, von Produkten begeistert werden.

In 2013 steht von 19. bis 21. Juni wieder die Intersolar auf dem Messekalender und es wäre der gesamten Branche zu wünschen, ein wenig näher an den Puls der Zeit zu rücken um die Chance, die durch die attraktive und nutzerfreundliche Verbindung von Elektromobilität und Solarenergie steckt, nicht zu verschlafen.

* Bitte füllen Sie die mit einem Stern markierten Felder aus.
Ihre e-Mail Adresse wird niemals veröffentlicht.

XHTML: erlaubte Tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>